Fachkräfte-Austausch: Impluse für die bulgarische Berufbildung
Rumiana Taulova, Ministerium für Bildung und Wissenschaft, Sofia/Bulgarien

Rumiana Taulova |
Die organisierte bulgarische Berufsbildung hat eine lange Tradition. Bereits 1873 entstanden die ersten privaten Handelsschulen. Doch erst im Jahre 1999 verabschiedete das bulgarische Parlament ein eigenständiges Berufsbildungsgesetz. Insgesamt wächst der Stellenwert der beruflichen Bildung in Bulgarien, was sich auch daran ablesen lässt, dass die Zahl der Berufsschulen und Berufsschullehrer konstant bleibt, während die Zahl der Schüler abnimmt.
Das neue Berufsbildungsgesetz gewährleistet das Recht auf Berufsbildung nach Interessen und Möglichkeiten jedes einzelnen und soll dafür sorgen, dass dem Markt genügend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.
Außerdem regelt es die Rahmenbedingungen des Berufs bildungssystems. Erklärte Ziele des bulgarischen Berufsbildungssystems sind, dass jedermann eine berufliche Qualifikation erwirbt und seine Kenntnisse stets aktualisiert.
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Neue Programme zur Berufsbildung
Der Erwerb beruflicher Qualifikation ist durch sechs neu eingeführte Programme geregelt. Alter, Schulbildung und Ausgangsqualifikation der Lernenden sind für jedes Programm festgelegt, außerdem die Dauer und der Inhalt der Berufsbildung. Eine weitere Neuerung ist die Gründung einer Nationalagentur für Berufsbildung.
Sie hat die Aufgabe, Institutionen im Berufsbildungssystem nach festgelegten Kriterien zu akkreditieren. Sie erteilt Lizenzen für die Berufsbildung und entzieht sie, wenn Standards nicht erfüllt werden. Sie erstellt auch ein Verzeichnis der Ausbildungsberufe und schlägt dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft Standards für Ausbildungsinhalte und Bewertungssysteme vor.
Fremdsprachen sind ein Muss
Der Ablauf der Berufsausbildung ist festgelegt. In den berufsvorbereitenden Schulen folgt auf eine allgemeine eine spezifische Vorbereitung, die je nach Beruf unterschiedlich gestaltet ist. Fremdsprachenunterricht ist obligatorisch. Neben weiteren Pflichtfächern gibt es einen Wahlbereich. Praktischen Unterricht erhalten die Auszubildenden in bestimmten Abteilungen der Schulen, in Zentren für Berufsvorbereitung im In- und Ausland, in Unternehmen oder in bestimmten Lehr-Abteilungen der Unternehmen. Jede Ausbildung endet mit einer Prüfung.
Finanziert wird die Berufsbildung in Bulgarien aus mehreren Quellen: Staat und Gemeinden, Sponsoren, Stiftungen sowie nationale und internationale Förderprogramme leisten ihren Beitrag. Die meisten Berufsschulen sind staatlich finanziert.
Zwischen dem bulgarischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft und der Carl Duisberg Gesellschaft gibt es seit 1992 im Rahmen des IFKA einen Expertenaustausch. Die bulgarischen Partner schätzen diesen Austausch sehr, weil er Einblicke in die berufliche Bildung beider Länder bietet.
Bulgarien und Deutschland verfolgen mit diesem Austausch ein gemeinsames Ziel: die Qualität der Berufsbildung zu verbessern.
Aus unserer Sicht gibt es konkrete Ziele, die wir nur durch eine weitere Zusammenarbeit verwirklichen können:
- Die Harmonisierung beruflicher Qualifikationen
- Die Umstrukturierung des Berufsbildungssystems
- Eine bessere Qualität der Berufsbildung
- Life long learning
- Die Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung
- Die Schaffung neuer Kriterien für die Bewertung von Lern- und Unterrichtsformen.
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Rumiana Taulova:
In diesen Zeiten außerordentlich dynamischer gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen ändert sich auch das Bildungswesen. Deshalb fällt es jedem einzelnen Menschen immer schwerer, den Weg zum Berufserwerb alleine zu gehen. Einfacher ist es mit jemand anderem, mit dem man die Schwierigkeiten teilen kann. Wir hoffen, dass wir weniger Fehler begehen werden, wenn wir gemeinsam auf diesem Weg schreiten, und dass wir neue Ideen und Erfahrungen sammeln. Deshalb würden wir gerne weiter zusammen gehen.
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