Netzwerkbildung in der internationalen Projektarbeit
Jörg Strathmann, Handwerkskammer Ostestfalen-Lippe zu Bielefeld
Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld hat ein Netzwerk in Europa. Die ersten Fäden dieses Netzwerks knüpfte ich 1994 während einer Reise nach Schweden im Rahmen des Internationalen Fachkräfte-Austauschs (IFKA). Schon ein Jahr später konnte ich Gesellinnen und Gesellen, die einen Praktikumsaufenthalt im europäischen Ausland wünschten, nach Schweden vermitteln. Ich stellte fest, wie einfach es ist, während der Studienreise geknüpfte Kontakte zu pflegen und sie für die tägliche Arbeit zu nutzen.
Neue Ziele und neue Partner
Die Vermittlung von Berufsanfängern nach Schweden war für die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld ein wichtiger Schritt in der internationalen Bildungszusammenarbeit. Denn bis Mitte der 90er Jahre hatten wir ausschließlich Kontakt zu zwei französischen Partnerkammern. Wenn also junge Leute nach Praktikumsplätzen im Ausland fragten, konnten wir zwar unsere Kontakte nach Frankreich aktivieren, mussten jedoch alle Interessenten enttäuschen, die Berufserfahrung in einem anderen Land als Frankreich sammeln wollten.
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Das änderte sich durch meinen IFKA-Erstkontakt. Nun konnte unsere Kammer den jungen Leuten eine Alternative bieten.
Als ich 1996 als IFKA-Tutor für Norwegen tätig wurde, erweitere sich unser Kreis der Zielländer für berufliche Qualifizierung erneut. Ich betreute alljährlich Gruppen, die nach Norwegen reisten und norwegische Gruppen, die zur Fortbildung nach Deutschland kamen. Daraus entstanden zahlreiche Kontakte, die die Projektarbeit der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe vorantrieben.
Zu unseren Partnern in Norwegen zählen berufsbildende Schulen, Verbände und auch das Technologische Institut in Oslo als nationale Agentur für das Programm Leonardo da Vinci.
Viele Kontakte kamen zustande, weil eine Teilnehmerin des norwegischen Kfz-Verbandes nach einem IFKA-Aufenthalt in Deutschland meine Visitenkarte an Institutionen in ihrer Heimat weitergab.
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Jörg Strathmann |
Kontakte im Schneeballsystem
Auf diesem Weg gelangte meine Karte auch zu der Sogn videregående skole, der größten Berufsbildungseinrichtung Norwegens. Die EU-Sekretärin der Schule nahm Kontakt zu uns auf, und so kam eine gemeinsame Projektarbeit zustande.
Jetzt werden junge Norweger bei uns qualifiziert: Sie durchlaufen in Ostwestfalen-Lippe ein regionales Netzwerk, beginnend mit 14-tägigen Berufsschulunterricht, darauf folgt ein 14-tägiger fachpraktischer Lehrgang in unserem Bildungszentrum, und dann gehen die Skandinavier für vier Wochen als Praktikanten in Kfz-Technikbetriebe der Region. Die Ausbildungsinhalte sind klar vorgegeben.
Alle Partner arbeiten zusammen
Im Gegenzug nutzen wir das Netzwerk der Sogn videregående skole. Es gibt 15 deutschen Auszubildenden Gelegenheit, Auslandserfahrung in Berufsbildungseinrichtungen und in Kfz-technischen Betrieben in Oslo zu sammeln.
Unsere Partnerkammern in Frankreich, mit denen wir regelmäßig Lehrlinge und Gesellen austauschen, und mit denen es seit 1980 etwa 300 Begegnungen gab, haben wir in unsere Kontakte nach Skandinavien einbezogen. 1999 organisierten wir ein internationales Partnertreffen. Dabei lernten sich unsere Partner kennen und präsentierten jeweils ihre europäischen Projekte, etwa in England, Irland und Spanien.
Mit unseren Partnern aus Frankreich und Norwegen vereinbarten wir einheitliche Teilnehmerunterlagen und Nachweise über Auslandsaufenthalte und vor allem ein Austauschprojekt für deutsche, französische und norwegische Jugendliche.
Im Jahr 2000 beispielsweise nahmen junge Leute aus den drei Ländern an einem Expo-Programm teil. Das Projekt gab den französischen und norwegischen Gästen auch Gelegenheit, Ausbildungs- und Lebensbedingungen in Ostwestfalen-Lippe kennen zu lernen.
Qualifizierung und Mobilität
Die norwegischen Partner vermittelten uns einen weiteren Kontakt: Jetzt schickt unsere Kammer Auszubildende auch nach Irland. Das Austauschprojekt richtet sich an Automobilkaufleute. Wie bei allen unseren Projekten stehen auch hier sprachliche und fachliche Qualifizierung und die berufliche Mobilität im Mittelpunkt.
Weitere Projekte mit Norwegen sind ebenfalls geplant, unter anderem eine fachsprachliche Qualifizierung für norwegische Lehrer.
Natürlich erhalten alle von uns ins europäische Ausland entsandten Teilnehmer den Europass Berufsbildung (siehe Kasten). Und auch unsere europäischen Partner nutzen des Europass, um allen Teilnehmern einen einheitlichen Nachweis über ihre Qualifizierung im Ausland zu geben.
Unser Fazit: Erst der IFKA hat die Vielfalt dieses Netzwerkes ermöglicht. Ohne die Kommunikation, die der IFKA in Gang setzt, kommen solche Projekte nicht zustande.
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