Fachlicher Ertrag und betrieblicher Nutzen des Internationalen Fachkräfte-Austauschs
Herbert Luckmann, Tscheulin-Rothal GmbH, Teningen
Für einen Vergleich der Berufsbildungssysteme einzelner Länder bietet sich ein Blick in die Fachliteratur an. Dabei würden wir wohl einen umfassenden Überblick gewinnen, aber was fehlt, ist der reale Eindruck. Erst im persönlichen Dialog mit Berufsbildungsexperten anderer Länder erfahren wir Details.
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Angesichts der zunehmenden Globalisierung und Internationalisierung des Wettbewerbs wird es immer wichtiger, die Strukturen anderer Länder kennen zu lernen. Dazu gehört auch die berufliche Bildung. Schließlich zeigt uns der internationale Handel, dass auch andere Länder, insbesondere die Industrieländer, hochwertige Produkte exportieren.
Zwar nimmt Deutschland noch immer einen Spitzenplatz unter den führenden Exportländern ein. Um diese Position zu festigen, sollten wir uns jedoch nicht nur mit Technologien und Strukturen befassen, sondern vor allem müssen wir sehen, über welche Qualifikationen die Menschen verfügen, die diese hochwertigen Güter herstellen, und wie sie ausgebildet werden.
Ausländische Abnehmer besser kennen lernen
Bis auf wenige Ausnahmen bilden andere Länder nicht nach dem dualen System aus. Jugendliche werden in überbetrieblichen Einrichtungen oder Schulen auf das Berufsleben vorbereitet und qualifiziert.
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Herbert Luckmann |
Das Niveau ist hoch und meist sind Wirtschaftsverbände und Betriebe an der Ausbildung beteiligt. Während jedoch die theoretische Ausbildung sehr gut ist, fehlt in der Regel der praktische Bezug.
Dennoch kann Deutschland von der fachtheoretischen Ausbildung anderer Länder lernen. Es bietet sich an, Module zu übernehmen, von denen wir überzeugt sind, dass sie unseren Auszubildenden nutzen.
Auf folgende Aspekte der beruflichen Qualifizierung sollten wir unser Augenmerk richten: Eine solide Grundausbildung ist wichtig. Andererseits muss die Ausbildung auf schnell wechselnde Anforderungen reagieren, deshalb bietet sich ein Training in Modulen an. Unverzichtbar sind auch Sprachkenntnisse, denn wenn Deutschland seine Position als führendes Exportland halten will, müssen wir uns noch mehr mit unseren Partnerländern befassen. Wir müssen wissen, welche Ansprüche unsere ausländischen Kunden haben und um sie zu erfüllen, die Verhältnisse und Mentalitäten in anderen Ländern kennen lernen. Wir sollten die Sprache unserer Kunden und Abnehmer sprechen, mindestens aber müssen wir uns in der überwiegend angewandten Fremdsprache Englisch verständigen können.
Vorteile für Arbeitskräfte und Betriebe
Die Polivalenz der Mitarbeiter spielt eine immer wichtigere Rolle für die Betriebe. Deshalb sollten wir unseren Jugendlichen eine breit gefächerte Ausbildung bieten. Mit gutem Beispiel geht eine Schule in Brasilien voran. Dort können die Jugendlichen sich Grundkenntnisse im Elektrobereich und in der Bearbeitung von Metall und Holz aneignen. Dadurch haben sie größere Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden, und auch die Betriebe profitieren, da sie die Fachkräfte vielseitig einsetzen können.
Technologische und organisatorische Rahmenbedingungen verändern sich in einem rasanten Tempo. Wollen die Betriebe im Wettbewerb bestehen, müssen sie ihre Strukturen laufend an diese Veränderungen anpassen. Die berufliche Bildung wird immer mehr zu einem flexiblen System. Zunehmend besteht Bedarf an technisch orientierten Zusatzprogrammen. Modulare Ausbildung ist eine Möglichkeit, die berufliche Bildung flexibler zu gestalten.
Lernen von der Ausbildung bis zur Rente
Es wird noch eine Weile dauern, bis sich Module in unserem dualen System durchsetzen. Gerade deshalb ist es wichtig, einen intensiven Austausch mit Betrieben und Institutionen im Ausland zu pflegen, die sich mit modularer Qualifizierung befassen. In die betriebliche Weiterbildung lässt sich die Qualifizierung in Modulen in jedem Fall einbeziehen.
Gerade in der Weiterbildung können wir Qualifizierungselemente anderer Länder übernehmen, denn Fachkräfte in ausländischen Unternehmen werden überwiegend nach den Methoden training on the job und learning by doing qualifiziert. Die Mitarbeiter qualifizieren sich für einen bestimmten Arbeitsplatz und werden beim Wechsel an einen anderen Arbeitsplatz erneut gründlich geschult. Dies zeigt: Schon jetzt sehen wir weltweit einen fließenden Übergang von der Berufsausbildung zur beruflichen Weiterbildung. Lebenslanges Lernen von der Erstausbildung bis zur Pensionierung wird überall unverzichtbar.
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Herbert Luckmann:
In anderen Ländern wird, wie bei uns, qualifizierte Arbeit geleistet; es werden hochwertige Produkte erzeugt. Das Qualifizierungsniveau der Fachkräfte in diesen Ländern ist hoch, denn sonst könnten diese Erfolge nicht in diesem Umfang erzielt werden. Deshalb ist es für uns heute wichtiger denn je, dass wir mit wachen Augen hinsehen und mit offenen Ohren hinhören, wie die Fachkräfte in anderen Ländern qualifiziert werden – und der effizienteste Weg hierzu ist jener, dass wir uns diese Eindrücke vor Ort im intensiven Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit den dortigen Bildungsexperten beschaffen."
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