Diskussionsforum 3:
IT-Qualifizierung - Internationale Herausforderungen für die Berufsbildung
Dr. Gerhard Lapke - Moderator (VEBA Oel AG)
Peter Littig (DEKRA Akademie GmbH)
Guido Fassbender (Otto Versand)
Anregungen
Erfahrungen
Können wir von Japan bei der IT-Qualifizierung lernen?
Dr.Gerhard Lapke, VEBA Oel AG, Gelsenkirchen

Dr. Gerhard Lapke |
Im Januar 2001 trat in Japan das so genannte IT-Grundgesetz in Kraft. Es sieht den schnellen Aufbau einer Hochgeschwindigkeits-Infrastruktur, Förderung des Internets und eine Lockerung der Regulierungen für den elektronischen Handel vor. Eine Spezialeinheit aus Ministern und IT-Experten der Privatwirtschaft soll die Fortschritte der Infrastrukturtechnologie koordinieren.
Damit will Japan nicht nur seinen Rückstand in der Entwicklung des Internets aufholen, sondern bis zum Jahr 2005 Weltmarktführer im E-Business, E-Commerce und E-Government werden. Bis 2003 sollen fast alle japanischen Haushalte einen Internetanschluss erhalten. Die IT-Literacy der Bevölkerung wird gefördert. Staat und Wirtschaft investieren erhebliche Mittel in diese Projekte.
Erst jetzt setzen sich moderne Bürokommunikationssysteme in Japan massiv durch.
Die Mitarbeiter müssen innerhalb kürzester Zeit den Umgang damit erlernen. Das Geschäft der Qualifizierungs- und Trainingsinstitutionen boomt.
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In Japan haben Staat und Wirtschaft deutlicher als wir in Deutschland erkannt, dass die wirtschaftliche Entwicklung vor allem unter globalen Gesichtspunkten wesentlich von der Informations- und Kommunikationstechnik abhängt. Eben deshalb wird die ganze japanische Bevölkerung kurzfristig IT-fähig gemacht.
Es ist deutlich geworden, dass der klassische Weg der japanischen Berufsbildung, hauptsächlich über On the Job-Training Wissen zu vermitteln, im IT-Bereich nicht mehr reicht. Auf diese Weise ist es unmöglich, in sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen mit aktuellen, sich noch dazu rasant schnell ändernden Inhalten zu versorgen. On the Job-Training kann nur funktionieren, wenn genügend erfahrene, qualifizierte Mitarbeiter vorhanden sind, die ihr Know-how weitergeben können.
Diese Voraussetzung ist aber im neu entstehenden Informations- und Kommunikationsbereich nicht gegeben. Neue Formen der arbeitsplatznahen Qualifizierung werden deshalb überall erprobt: On the Job-Training wird angereichert und eingebettet in Projekt- und Gruppenarbeiten. Zielabsprachen und Zielvereinbarungssysteme werden eingeführt, die an leistungsbezogene Vergütungssysteme gekoppelt
sind.
Von Japan können wir nicht lernen, welche IT-Qualifizierungsmaßnahmen konkret durchzuführen sind. Was wir aber lernen können, ist die Herangehensweise an das Problem über globale und nationale Visionen, Strategien und Zielsetzungen hin zu schnellen und flexiblen Maßnahmen, die zwischen Staat und Wirtschaft abgestimmt sind.
Notwendig erscheint eine schnelle Entrümpelung der Ausbildungsinhalte aller Ausbildungsberufe. Nur so kann Platz geschaffen werden für informations- und kommunikationstechnische Inhalte, die künftig alle Berufe brauchen.
Vielleicht haben die asiatischen Kulturen einen Systemvorteil weil sie stärker interkulturell, mehrdimensional und in größeren Zusammenhängen denken. Gerade diese Qualifikationen, die bei uns derzeit noch zu wenig gefördert und gefordert werden, sind aber notwendig, um weiter lern-, anpassungs- und damit arbeitsfähig zu bleiben.
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Das Internet fordert Bildungsträger heraus
Peter Littig, DEKRA Akademie GmbH, Stuttgart
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Die duale Berufsausbildung stößt bei Gästen aus dem Ausland immer wieder auf großes Interesse und Anerkennung. Meist führt aber die Diskussion über die Berufsbildung in Deutschland dazu, dass die Gäste deutlich machen, warum unser System in ihrem Land nicht funktioniert. Vor allem im Hinblick auf die schnelllebige Informationstechnologie bevorzugen sie flexiblere und rascher wirksame Systeme.
In den USA beispielsweise unterscheidet sich die Aus- und Weiterbildung in vielen Punkten grundlegend von der deutschen Praxis.
Während wir viel Zeit und Energie in die Ausbildung vor der Berufstätigkeit investieren, wird man in den USA fit für den Job, indem man im Job arbeitet.
Die Vorbereitung auf eine Berufstätigkeit beschränkt sich auf ein so genanntes Skill-Training. Die Eigeninitiative der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der beruflichen Bildung spielt eine erhebliche Rolle. Zur Weiterbildung nutzt man zum Teil informelle Methoden, so gelten berufliche Nebentätigkeiten als wichtiger Ansatz zur Qualifizierung.
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Peter Littig |
Bei der IT-Weiterbildung wird die praktische Erfahrung der Trainer besonders hochgeschätzt. Bildungsträger arbeiten daher sehr oft mit freiberuflichen Ausbildern, um die Qualität und Vielfalt ihres Angebots aufzuwerten. E-Learning kommt dem amerikanischen Ziel learning anytime, anywhere entgegen. Die Zukunft des E-Learning in den USA sehen dessen Protagonisten in einem kunden- und situationsgerechten Methodenmix. Das neue Zauberwort heißt Blended Learning.
Der Markt der beruflichen Bildung diversifiziert sich nicht zuletzt durch die verstärkte Internet-Nutzung ständig. Durch das Internet sind neue, weltweit verfügbare Qualifizierungsmöglichkeiten entstanden, die eine Herausforderung für die etablierten Träger in der deutschen beruflichen Aus- und Weiterbildung sind. Sie müssen sich einer globalen Konkurrenz mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen stellen und sich ihr gegenüber behaupten. Die Herausforderung für die deutsche Berufsbildung besteht letztlich darin, dass die berufliche Bildung sich weltweit zu einem gigantischen Geschäft entwickelt hat, bei dem kulturelle und politische Grenzen zunehmend weniger Bedeutung haben werden.
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Neues wagen - Bewährtes behalten
Guido Fassbender, Otto Versand, Hamburg
Im Rahmen einer Fachinformationsreise besuchte ich im Frühjahr 2001 die amerikanischen Firmen Cisco, EDS, Autodesk und Sun Microsystems sowie Colleges und private IT-Bildungseinrichtungen. Ziel der Fortbildung war der Vergleich zwischen IT-Qualifizierung in den USA und Deutschland. Aus den Erfahrungen lassen sich drei Thesen ableiten:
- 1. In den USA setzen die großen Hightech-Firmen die Standards in der IT-Ausbildung.
- 2. Colleges in den USA verhalten sich in Bezug auf ihre IT-Ausbildung absolut kundenorientiert und sehr flexibel gegenüber ihrer Zielgruppe.
- 3. Das deutsche Berufsbildungssystem sollte die Vorzüge des amerikanischen Bildungssystems (Flexibilität, Kundenorientierung) übernehmen und weiterhin dual bleiben.

Guido Fassbender |
Die Erfahrungen fließen in die strategische Planung der IT-Qualifizierung im Otto Versand ein. So bildet der Otto Versand ab 2002 erstmals Medieninformatiker aus, die neben einer praktischen Ausbildung im Unternehmen innerhalb von drei Jahren einen Bachelor-Studiengang an der virtuellen Fachhochschule absolvieren 80 Prozent der Lehrinhalte werden via E-Learning vermittelt.
Im Ottoversand gibt es eine eigene Firma der Auszubildenden mit dem Namen CULTUR-e, die Web-Dienstleistungen für das Haus anbietet. Diese Auszubildendenfirma wird in einem vom Bundesinstitut für Berufsbildung geförderten Modellversuch multipliziert, so dass auch andere Firmen von unseren Erfahrungen mit neuen IT-Lern- und Lehrformen profitieren.
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Anregungen
Die sich schnell wandelnde Informationstechnologie ist eine Herausforderung für die deutsche Berufsbildung. Deutschland kann auf diesem Gebiet von den USA und Japan lernen und sollte eigene Standards und Haltungen überdenken, stellten die Teilnehmer des Diskussionsforums IT-Qualifizierung Internationale Herausforderungen für die deutsche Berufsbildung fest:
- Ideen der Berufsbildung in Japan und den USA kann Deutschland aufgreifen und mit dem deutschen System in Einklang bringen.
- Japan macht einen Paradigmenwechsel durch: von life long employment zu life long employability. Dieser Trend betrifft auch Deutschland. Heute reicht eine einzelne Berufsausbildung nicht mehr als Qualifikation für das gesamte Arbeitsleben.
- Mehr Eigeninitiative der Mitarbeiter ist gefragt. In Deutschland herrscht immer noch die passive Haltung des Ausgebildet-Werdens. Erforderlich ist aber mehr Leistungsorientierung jedes einzelnen, die über das persönliche Fortkommen entscheidet.
- Das Internet wird für das globale Lernen immer wichtiger. Diese Herausforderung müssen wir in Deutschland annehmen, um nicht abgehängt zu werden.
- Global Campus 21 ist eine hervorragende Basis für Wissensmanagement und für den Aufbau von Netzwerken. Privatwissen, das jeder IFKA-Teilnehmer erwirbt, kann über die Global-Campus-Plattform vielen zugänglich gemacht werden.
- Das IFKA-Programm braucht thematische Schwerpunkte. Diese sollten sich aber nicht auf IT beschränken, um den Teilnehmerkreis nicht zu sehr einzuengen.
- Tutoren-Einsatz ist sinnvoll, vor allem bei IFKA-Reisen in außereuropäische Länder. Die Tutoren sind wichtig als Unterstützung der Teilnehmer in einer fremden Umgebung, aber auch als zentrale Ansprechpartner für die Gastgeber.
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