Diskussionsforum 2:
Mobilitätsprogramme - Förderung der internationalen Berufsbildungskompetenz in Unternehmen
Dr. Peter Wordelmann - Moderator (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Werner Lenske (Institut der deutschen Wirtschaft)
Heinz Scheiderer (DaimlerChrysler AG)
Jürgen Blücher (Provadis GmbH)
Anregungen
Erfahrungen
Wie sollen kleine und mittlere Unternehmen internationalen Anforderungen begegnen?
Dr. Peter Wordelmann, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn
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Kleine und mittlere Unternehmen müssen sich heutzutage mit folgenden Thesen auseinander setzen:
1. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im Wettbewerb nicht mehr frei entscheiden, ob sie im internationalen Kontext tätig werden möchten und welche modernen Arbeitsmittel sie verwenden wollen.
Immer mehr Tätigkeiten werden virtuell, so dass physische durch virtuelle Mobilität ersetzt werden kann. Wer die geforderten Qualifikationen besitzt – sowohl individuell als auch betrieblich – hat einen Wettbewerbsvorteil, wer nicht, bekommt Probleme mit der Bewältigung der Zukunft.
2. International erfolgreiche Unternehmen entwickeln Vorgehensweisen, Methoden und Werkzeuge, die den Erfolg auf Auslandsmärkten auf Dauer sichern können.
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Dr. Peter Wordelmann |
3. Informations- und Kommunikationsmedien unterstützen und beschleunigen die Internationalisierung. Gleichzeitig erfordern sie eine entsprechende Qualifizierung.
Der Königsweg für kleine und mittlere Unternehmen ist eine internationale Ausbildungskultur. Sie sollte zum Leitbild des Unternehmens gehören, die Strategie der Internationalisierung unterstützen und langfristig angelegt sein. Dazu gehören unter anderem Ausbildungs-Projekte mit internationalem Bezug, Austausch mit Betrieben im Ausland und enge Kooperation mit den Berufsschulen.
Ebenso gefragt ist Netzkompetenz, also die umfassende, nicht nur technische Kompetenz im Umgang mit der Vielfalt der Kommunikationstechnologien. Netzkompetenz ist erforderlich für die globale Wettbewerbsfähigkeit. Kleine und mittlere – aber auch manche große – Unternehmen können sie nur begrenzt einkaufen. Die Lösung heißt: selbst qualifizieren und zwar schnell.
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Internationale Berufskompetenz: Ergebnisse einer Unternehmensumfrage
Werner Lenske, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln
Im Jahr 2000 befragte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln 775 Ausbildungsbetriebe zum Thema Globalisierung und internationale Berufskompetenz. Für das IW setzt sich internationale Berufskompetenz aus internationalen Basisqualifikationen (Fremdsprachenkenntnisse, internationale Fachkenntnisse) und internationalen Schlüsselqualifikationen (interkulturelle Kenntnisse und Dispositionen) zusammen. Die Umfrage sollte die Meinung der Betriebe zu der Wichtigkeit dieser Qualifikationen offen legen. Differenziert wurde nach kaufmännischen, gewerblich-technischen und IT-Berufen.
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Rund 37 Prozent der Unternehmen gaben an, dass ihre Beschäftigten regelmäßig internationale Qualifikationen anwenden, vor allem in der Kommunikation mit Kunden oder Partnern im Ausland. Im Vordergrund stehen Fremdsprachenkompetenz und internationale Fachkenntnisse.
Für die wichtigste internationale Qualifikation halten die Betriebe Englischkenntnisse. An zweiter Stelle stehen Toleranz und Anpassungsbereitschaft gegenüber anderen kulturellen Werten und Normen. Erst danach ist spezifisches internationales Know-how gefordert.
Etwa jedes vierte Unternehmen hält internationale Schlüsselqualifikationen seiner Fachkräfte für sehr wichtig, fast ebenso bedeutsam sind Fremdsprachen und internationale Fachkenntnisse.
Fast jeder zweite befragte Betrieb fördert die internationale Berufskompetenz seiner Mitarbeiter. Besonders aktiv sind Unternehmen mit Standorten im Ausland und mit internationalen Geschäftskontakten.
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Kaufmännische und IT-Auszubildende kommen vergleichsweise oft in den Genuss internationaler Qualifizierung. Die häufigste Methode: Die Auszubildenden werden in die Betreuung ausländischer Partner und Kunden einbezogen. An zweiter Stelle steht innerbetriebliche Schulung berufsbezogener Fremdsprachenkenntnisse. Auslandspraktika sind immerhin in 18 Prozent der Ausbildungsbetriebe möglich, ebenso das Lernen und Arbeiten in interkulturellen Teams.
Die Unternehmen halten eine stärkere internationale Ausrichtung der Berufsausbildung für dringend erforderlich. Von den Berufsschulen erwarten sie mehr Fremdsprachenunterricht und zwar als Pflichtfach. Die anderen Bereiche internationaler Qualifizierung sollen nach Meinung der Unternehmen nicht in die Ausbildungsverordnungen aufgenommen werden. Gefragt ist vielmehr ein größeres Angebot an Zusatzqualifikationen oder Wahlkomponenten.
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Internationale Teams werden zur Selbstverständlichkeit
Heinz Scheiderer, DaimlerChrysler AG, Stuttgart
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DaimlerChrysler hat Niederlassungen in fast allen Ländern der Erde. Unsere Produkte und Dienstleistungen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus anderen Ländern. Deshalb brauchen unsere inländischen und ausländischen Standorte zunehmend interkulturell qualifizierte und international einsetzbare Mitarbeiter.
Interkulturelle und internationale Teams werden mehr und mehr zu selbstverständlichen Arbeitsformen.
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Heinz Scheiderer |
Für viele Mitarbeiter gehört die Verständigung in anderen Sprachen und über kulturelle Grenzen hinweg bereits zur täglichen Arbeitserfahrung. Dabei ist jeder Mitarbeiter ein Botschafter, der Offenheit und Sensibilität für andere Kulturen zeigen sollte.
Wie im Bereich der Führungskräfte- und Nachwuchsentwicklung bereits Standard, soll auch die Berufsausbildung die internationale Einsetzbarkeit der Mitarbeiter unterstützen. Deshalb bieten wir in 27 Ländern Auslandseinsätze, Praktika oder Austauschprogramme für Auszubildende und BA-Studenten an. Ein Pilotkonzept ist das bilinguale Jungfacharbeiter-Entwicklungsprogramm, in dem sich Training in Deutschland und Auslandseinsätze abwechseln. Zusätzlich absolvieren pro Jahr sechs Bildungsexperten oder Ausbilder die internationalen Studienbesuchsprogramme IFKA und EUS.
Die Tendenz zu Berufen mit internationaler Ausrichtung und internationalen Abschlüssen verstärkt sich. Darum haben wir an unseren deutschen Standorten den Europass eingeführt.
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Partner ergänzen sich
Jürgen Blücher, Provadis GmbH, Frankfurt am Main
Die Firma Provadis hat sich aus der Aus- und Weiterbildung der Hoechst AG zu einem eigenständigen Dienstleister für Bildung und Beratung entwickelt.
Die Anforderungen unserer Kunden im Hinblick auf soziale und interkulturelle Kompetenz der Auszubildenden sind im Laufe der Jahre immer größer geworden.
Der zunehmenden Globalisierung und Internationalisierung darf sich ein Bildungsunternehmen nicht verschließen. Wir realisieren verschiedene Austauschprojekte mit europäischen Partnern. Früher stand bei diesen Projekten der Nutzen für den Teilnehmer im Mittelpunkt: das Kennenlernen des Partnerlandes, der Sprache und der Kultur. Heute ist sie Situation anders: Es geht um den direkten Nutzen durch die Vermittlung von Ausbildungsinhalten im Partnerland.
Ziel eines neues Projektes mit der Aarhus Technical School in Dänemark ist es daher, Ausbildungsabschnitte jeweils bei dem Partner durchzuführen, der dafür die beste Ausstattung oder mehr Erfahrung hat. Eine Anerkennung der im Partnerland absolvierten Ausbildungsabschnitte durch die Kammern macht das Projekt für die Auszubildenden direkt nutzbar.
Nützliche Nebeneffekte:
- Das Projekt fördert die Integration der Auszubildenden in den europäischen Arbeitsmarkt
- Synergieeffekte zwischen den Partnereinrichtungen können genutzt werden
- Schwächen des einen Partners werden durch Stärken des anderen ausgeglichen
- Harmonierung der Ausbildung auf europäischer Ebene.
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Jürgen Blücher:
Nice to have: Das galt früher für Austauschprogramme. Heute wird ein direkter Nutzen für den Auszubildenden und das ausbildende Unternehmen erwartet.
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Anregungen
Selbst bei Global Playern nehmen nur wenige Auszubildende an Qualifizierungsprogrammen im Ausland teil. Noch schwieriger ist es, kleine und mittlere Betriebe für eine konsequente Internationalisierungsstrategie zu gewinnen. Daraus leiteten die Teilnehmer des Diskussionsforums Mobilitätsprogramme – Förderung der internationalen Berufsbildungskompetenz in Unternehmen folgende Forderungen ab:
Bildung entwickelt sich zum Produkt. Deshalb ist den Kosten ein definierter Nutzen gegenüber zu stellen.
Die meisten Unternehmen halten interkulturelle Kompetenz für äußerst wichtig – aber es fehlt an Definitionen, Konzepten und Lehrplänen. Man sollte versuchen, Konzepte des interkulturellen Lernens in die Berufsausbildung zu übernehmen.
Das Hauptproblem bei kleinen und mittleren Betrieben: Sie haben keinen Ausbildungsleiter, der sich um internationale Qualifizierung kümmert. In diesem Firmen muss internationale Berufsbildung direkt zur Chefsache gemacht werden. Angebote für diese Zielgruppe sind zu schaffen. Das größte Problem ist, Geschäftsführer und Firmenleiter für mehrwöchige Auslandsreisen zu gewinnen. Die Notwendigkeit muss den Leitern kleiner und mittlerer Betriebe dennoch deutlich gemacht werden, denn viele verfolgen Internationalisierungsstrategien, vernachlässigen aber ihre internationale Kompetenz und scheitern deswegen.
Urlaub und Qualifizierung dürfen sich nicht vermischen. Die Betriebe müssen Auslandserfahrung ernst nehmen, ihren Wert erkennen und sich dafür auch finanziell engagieren, weil es sich für sie rechnet.
Kleine und mittlere Betriebe müssen international kompetentes Personal selbst qualifizieren. Und zwar langfristig im Hinblick auf grenzüberschreitende Geschäfte, nicht erst, wenn die Notwendigkeit da ist. Internationale Qualifizierung sollte auch bei kleinen und mittleren Betrieben zum Unternehmens-Leitbild gehören.
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