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IFKA - KONFERENZ 2001


Konferenz 2001 > Forum 1: Dybowski, Lauterbach, Schenkel, Königsdorff

Internationaler Innovationstransfer und berufliche Qualifizierung

Internationaler Innovationstransfer
und berufliche Qualifizierung


am Beispiel des Internationalen Fachkräfte-Austausches in der Berufsbildung (IFKA)

Berlin, 18. - 19. Oktober 2001
IFKA-Konferenz-Berlin

Dokumentation 2001



Diskussionsforum 1:

Auslandserfahrung - Innovative Impulse für die deutsche Berufsbildung

Dr. Gisela Dybowski - Moderatorin (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Uwe Lauterbach (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung)
Dr. Peter Schenkel (Bundesinstitut für Berufsbildung)
Manfred Königsdorff (Bosch GmbH)

Anregungen




Erfahrungen

Berufliche Bildung muss sich dem Wettbewerb stellen
Dr. Gisela Dybowski, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn



Die Dynamik der Internationalisierung stellt an die berufliche Bildung neue Herausforderungen. Bis Ende der 80er-Jahre bestimmten nationale Anforderungen das Berufsbildungssystem. Es gab keinen zwingenden Anlass, sich mit der beruflichen Bildung im Ausland auseinander zu setzen und eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit anzustreben.
Durch die Globalisierung und die beschleunigte europäische Integration hin zu einem gemeinschaftlichen Bildungs- und Arbeitsmarkt, hat sich die Situation grundlegend verändert. Die nationalen Systeme der beruflichen Bildung müssen sich dem internationalem Wettbewerb stellen und grenzüberschreitende Kooperationen eingehen.
Die Anforderungen an Internationalität und Europa-Orientierung der beruflichen Bildung nehmen zu. Die nationalen Berufsbildungssysteme, deren Qualität und Innovationsfähigkeit stehen als Standortfaktoren auf dem Prüfstand.

Dr. Gisela Dybowski
Dr. Gisela Dybowski

Anforderungen, die nicht allein durch nationale Maßnahmen abgedeckt werden können, erfordern transnationale Projekte, Partnerschaften und internationale Netzwerke, um daraus Innovations- und Gestaltungsimpulse für die eigene Arbeit zu gewinnen.
"Voneinander lernen", "Fehler anderer vermeiden" und "Gemeinsam Problemlösungen erarbeiten" werden zu Maximen der Berufsbildungspolitik und -praxis.

Auslandserfahrungen gewinnen als Impulsgeber für Innovationen ein immer stärkeres Gewicht. Ihr Nutzen lässt sich verdeutlichen:

Die Ansprüche an Qualität und Professionalität internationaler Aktivitäten sind deutlich gestiegen. Längst hat sich ein internationaler wettbewerbsgeprägter Berufsbildungsmarkt entwickelt. Um seinen Anforderungen gerecht zu werden, ist internationale Kompetenz notwendig. Dazu ist ein systematischer und kontinuierlicher Erfahrungsaustausch mit internationalen Bildungsexperten erforderlich.

Das Wissen um die Stärken und Schwächen des eigenen Berufsbildungssystems sowie um die Strategien anderer Industriestaaten und Weltmarktkonkurrenten sind eine wichtige Grundlage für die Entwicklung zukunftsorientierter Konzepte. Auslandserfahrungen bilden die Grundlage für "Benchmarking" im bi- oder multinationalen Vergleich. So lassen sich notwendige Veränderungen aufzeigen und Anregungen für Problemlösungen finden.

In anderen Ländern gelten Flexibilisierung und Individualisierung der Ausbildung als Antwort auf neue Qualifikationsanforderungen und eine differenzierte Nachfrage der Lernenden. Diese Konzepte sind auch für Deutschland relevant.

In benachbarten EU-Staaten gibt es zahlreiche Ansätze für lebensbegleitendes Lernen, aus denen Deutschland Anregungen gewinnen kann.

Kleinere Länder in Europa verfolgen bereits konsequent eine internationale Ausrichtung ihrer beruflichen Bildung. Der deutschen Berufsbildung kann dies Impulse für ihr Marketing und ihre internationale Ausrichtung geben.


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Best practice und internationale Bildungszusammenarbeit
Uwe Lauterbach, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt am Main


IFKA-Konferenz Berlin 2001

Ist das Lernen vom Ausland in der beruflichen Bildung ein neues Phänomen oder können wir dazu aus der Geschichte lernen? Seit den Anfängen von allgemeiner und beruflicher Bildung wurde immer auf die Erfahrungen anderer, die irgendwie weiter waren, zurückgegriffen. Man unternahm Informationsreisen in das "vorbildliche" Land und verbreitete die Erfahrungen.

Im Altertum hinkte Germanien der griechischen und römischen Kultur hinterher. Reisende waren Transformatoren des Fortschritts.

Dieser Prozess setzte sich im Mittelalter fort. In der Neuzeit lagen die deutschen Lande bezogen auf den Stand der Technik und der beruflichen Bildung gegenüber westlichen Nachbarn weit zurück. Nach dem Vorbild dieser Länder gründeten Baden, Württemberg, Bayern, Sachsen und Preußen berufliche Schulen. Eine rege Reisetätigkeit setzte ein. Es galt, im Ausland beobachtete Strukturen an die eigenen Bedingungen anzupassen.

Deutsche Bildungsstrukturen wurden aber auch exportiert. Im 19. Jahrhundert war das "allgemeinbildende" Volksschulwesen - insbesondere das preußische -Vorbild für viele Länder. Das vor rund 100 Jahren von Georg Kerschensteiner reformierte Münchner Berufsbildungswesen zog Experten aus der ganzen Welt an. Kerschensteiner wiederum hatte ausländische Erfahrungen verarbeitet - aber reflektiert und an die Verhältnisse in München angepasst.

Übertragbarkeit erhoffte man auch vom dualen System. Dabei sind die Erfahrungen aber sehr ambivalent.

Folgende Schlüsse sind zu ziehen:

Eine direkte Übertragung von Strukturen ist sinnlos.
Die Kontexte sind zu beachten, besonders die Kultur und die Bildungskultur
Entscheidend bleibt die Evolution der Bildungsstrukturen. Sie verändern sich in einem langfristigen Prozess und zwar, weil neue Herausforderungen bewältigt werden müssen. Die historische Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmer von Bildungsreisen besonders geeignet sind, diese Reformprozesse zu unterstützen. Unter dieser Prämisse kann der IFKA noch stärker genutzt werden.


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E-Learning und Evaluation
Dr. Peter Schenkel, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn


Eine in den USA noch von Bill Clinton eingesetzte Web Based Education Commission kam Ende 2000 zu dem Ergebnis, dass E-Learning der viel versprechendste Weg zu einer umfassenden Reform des Bildungssystems ist. Der stärkste Motor dieser Reform sind wirtschaftliche Überlegungen.

Für uns ist es ungewohnt, berufliche Bildung als einen Marktprozess zu interpretieren. Bildung wird in dieser Perspektive zu einem Wirtschaftsgut, das Gewinnchancen verspricht, Wettbewerbspositionen beeinflusst und Karrieren eröffnet oder verschließt.

Dr. Peter Schenkel
Dr. Peter Schenkel


Die Konsequenzen sind kaum abschätzbar. In jedem Fall sind es längst nicht allein pädagogische Erkenntnisse, technische Fortschritte oder politische Entscheidungen, die über die Einführung von E-Learning entscheiden. Es sind handfeste wirtschaftliche Interessen, die in Verbindung mit Politik und Wissenschaft die Richtung der Entwicklung bestimmen.

In dieser Verbindung ist E-Learning mehr als eine neue Lern- oder Lehrmethode. Es kann Bildungsreformen auslösen und vorantreiben. Allerdings müssen wir sehr genau zwischen den Klippen der Technikeuphorie und Technikverdammmung, zwischen Bewahrung und Zukunftssicherung, zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und pädagogischen Intentionen, zwischen Kontrolle und Steuerung und zwischen den Rechten der Lernenden und der Unternehmen navigieren.

Evaluationen zur Steuerung von Bildungsprozessen

In der allgemeinen und beruflichen Bildung in den USA gewinnen Evaluationen an Bedeutung. Die "Qualität" von Schulen, Lehrern und Schülern wird in einem in Deutschland (bisher) nicht bekannten Maße fortlaufend festgestellt und bewertet. Der Staat vergleicht die Ergebnisse von Schulen mit vorgegebenen Standards. Dabei sind nur die Ziele vorgegeben, nicht die Methoden. Wer die Standards erreicht oder übertrifft wird gefördert, andere werden sanktioniert. Der Erfolg dieser Maßnahme ist noch nicht abschließend einzuschätzen. Erste Auswertungen signalisieren aber, dass die Leistungen der Schüler ansteigen.


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IFKA-Reise als Initialzünder
Manfred Königsdorff, Bosch GmbH, Hildesheim


Der internationale Fachkräfteaustausch in der Berufsausbildung (IFKA) ist für viele Ausbilder ein wichtiger Meilenstein ihrer beruflichen Arbeit. Ich schrieb in meinem Abschlußbericht über die Japan-Reise 1991: "Für meine berufliche Entwicklung dürfte dies die wichtigste Reise gewesen sein." Dies hat sich bis heute bestätigt und wirkt auch in Zukunft fort.

IFKA-Konferenz Berlin 2001

Was bringt eine solche Reise an innovativen Ansätzen, die den Aufwand rechtfertigen? Für mich war meine Japan-Reise die Initialzündung, um das Thema "internationale Orientierung" in der Berufsausbildung einzubringen. Zu Beginn der 90er Jahre war die japanische Industrie das "Maß aller Dinge". Durch die Reise konnte ich sehen und verstehen welche Hintergründe es dafür gab.
In über 40 Vorträgen berichtete ich danach über Aus- und Weiterbildung, Qualitätsphilosophie, Lean Production oder Kaizen sowie über Mentalitäten und Rahmenbedingungen in Japan.

Teilnehmer der Veranstaltungen waren neben Ausbildern, Auszubildenden, Mitarbeitern und Führungskräften des eigenen Konzerns auch Wirtschaftsjunioren der IHK, Lehrer sowie Leiter des Bildungswesens anderer Firmen.

Ich erkannte, dass internationale Orientierung nur dann praktiziert wird, wenn man sie persönlich erlebt hat. Daher ermunterte ich Ausbilder zur Teilnahme an IFKA-Studienreisen oder ähnlichen Maßnahmen. Meine Ausbilder waren in der Folgezeit unter anderem in Südkorea, Malaysia, den USA, Spanien, Portugal und Großbritannien. Seit 1995 gibt es auch für Auszubildende Programme mit dem Ausland.

In der Praxis führten wir nach meiner Japan-Reise den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung auch in der Lehrwerkstatt ein. Außerdem stellten wir die Ausbildung auf Teamorganisation um. Zwei weitere Beispiele für die Umsetzung der Anregungen aus Studienreisen:

USA: Ausbildungsprogramme sind an den Bedürfnissen der Betriebe orientiert.

Wir überprüften den Ausbildungsplan für kaufmännische Auszubildende und richteten ihn stärker auf den Bedarf der Abteilung aus.

Malaysia: Ein Auftrag wird von der Annahme bis zur Ablieferung von einem Team ausgeführt.

Wir setzten dieses Konzept in der Lehrwerkstatt als "Werkstatt in der Werkstatt" um.

Daneben gibt es eine Reihe anderer positiver Wirkungen von Studienreisen:

  • Know-how-Transfer der Teilnehmer untereinander
  • Bildung von Netzwerken
  • Flexibilisierung des deutschen Berufsbildungssystems
  • Die Teilnehmer erwerben interkulturelles Wissen.



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Anregungen

Wie stellt man sicher, dass der IFKA auch in Zukunft Nutzen bringt? Mit dieser Frage beschäftigten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Diskussionsforum "Auslandserfahrung - Innovative Impulse für die deutsche Berufsbildung":

Die Rahmenbedingungen des IFKA sollten reflektiert werden: Ist das Programm für neue Zielgruppen attraktiv?

Eine intensive Vorbereitung ist zentral für den Erfolg der IFKA-Reisen. Die Teilnehmer müssen darauf eingestimmt werden, was sie im Zielland erwartet und auf welche Probleme sie stoßen können. Durch bessere Vorbereitung haben die Teilnehmer mehr von ihrem Auslandsaufenthalt.

Im Sinne der Nachhaltigkeit ist mehr Gewicht auf die Nachbereitung zu legen. Den Teilnehmern muss Zeit gelassen werden, ihre Erfahrungen zu verarbeiten.

Es ist kritisch zu hinterfragen: Wer nimmt an den Reisen teil und wie werden die Teilnehmer durch ihr Umfeld unterstützt? Die Unternehmen müssen stärker am Austausch beteiligt werden. Wenn Teilnehmer für die Maßnahme Urlaub nehmen müssen, sind die Effekte der Verbreitung und Umsetzung neuer Ideen sehr gering. Gefordert ist eine neue Unternehmenskultur, die hinter den Maßnahmen steht.

Der Erfahrungsaustausch sollte systematisiert werden, um die Erkenntnisse einzelner für alle nutzbar zu machen.

Die deutsche berufliche Bildung lebt stark von der Initiative der Betriebe und der Wirtschaft. Deshalb sollten bei den Besuchen im Ausland mehr die Betriebe im Mittelpunkt stehen und nicht nur die überbetrieblichen Bildungsstätten und Schulen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Carl Duisberg Gesellschaft sind gefordert, die IKFA-Erfahrungen in Innovationsprozesse und Veränderungen im Bildungssystem umzusetzen. Jeder einzelne Teilnehmer ist gefordert, die Auszubildenden stärker für Auslandserfahrungen zu begeistern und mehr Eigeninitiative zu entwickeln. Eigeninitiative stärkt die Identifikation mit den Zielen des Internationalen Fachkräfte-Austauschs.


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