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| BERUFSBILDUNGSSYSTEM : Thailand |
| Berufsbildungssystem |
"Innovationen nationaler Berufsbildungssysteme von Argentinen bis Zypern"
Berufsbildungsprofile im Blick des Internationalen Fachkräfteaustausches (IFKA) |
CDG-Schriftenreihe Band 11
11 Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden (2001)
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| THAILAND von Ulrich Arnswald |
1Einführung
2Überblick zur Berufsbildung im Rahmen des Bildungssystems
3 Besonderheiten des Systems und Innovationstransfer
4Ergänzende Literatur und Internet-links
1Einführung
Die ökonomische und soziale Entwicklung Thailands vollzieht sich im Rahmen des achten Fünfjahresplanes (1997 – 2001). Hatte sich das Wachstum des Landes in der vorherigen Zeit vor allem auf die natürlichen Ressourcen und die billigen Arbeitskräfte gestützt, so gewinnen jetzt als Entwicklungsfaktoren das Potential und die Kreativität der Menschen an Bedeutung. Aus dieser Sicht hat der Bildungsbereich im nationalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsplan Priorität gewonnen.
Auch die neue Verfassung des Königreiches von Thailand vom Oktober 1997 bereitete den Weg für die Veränderungen im Bildungssystem des Landes. Entsprechend dem Artikel 43 hat jede Person das gleiche Recht auf eine zwölfjährige Grundausbildung. Gleichzeitig mit der Unterstützung der Bildung durch die öffentliche Hand wird auch die Rolle der privaten Bildungseinrichtungen auf allen Bildungsstufen bekräftigt. Im zurückliegenden Zeitraum haben sich im Gleichklang mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen die Prinzipien und die Konzepte der Bildung in Thailand weiterentwickelt. Als Beispiel dafür seien das Nationale Bildungsprogramm und der Nationale Plan der Bildungsentwicklung genannt, die die aktuellen Prinzipien, Konzepte und Ziele der Bildungspolitik enthalten, um ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum des Landes und des Wohlergehens der Bürger (Gesundheit, Ausbildung u.a.) zu erreichen. Die berufliche Bildung ist einer der Hauptschwerpunkte in diesem Entwicklungsplan.
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2Überblick zur Berufsbildung im Rahmen des Bildungssystems
Die grundlegende Struktur der Bildung besteht aus vier Stufen: Vorschule, Primarbereich, Sekundarbereich und höhere Bildung. Die primäre Bildung gehört in den Bereich, der die Grundlagen für eine umfangreiche Zunahme der allgemeinen Kenntnisse der Schüler durch die Entwicklung der Grundkenntnisse schafft. Erklärte Ziele sind ebenso die charakterliche Entwicklung und die arbeitsorientierte Bildung, die ein günstiges Einfügen in die Familie und die Gesellschaft gewährleisten sollen.
Die Sekundärbildung ab dem zwölften Lebensjahr unterteilt sich in eine dreijährige untere Stufe und in eine höhere dreijährige Stufe. In Ergänzung zur allgemeinen Bildung werden hier bereits einige Elemente der beruflichen Bildung behandelt. Die Schüler in der höheren Stufe werden dazu geführt, sich zunehmend mit einigen Spezialgebieten zu beschäftigen, die sie für ihre vorgesehene berufliche Laufbahn benötigen.
Die Hochschulbildung beinhaltet nichtgraduierte und graduierte Studien. Das Ziel der Hochschulbildung besteht in der Ausbildung hochqualifizierter Arbeitskräfte für den nationalen Bedarf. Die Hochschulbildung erfolgt in Colleges, Universitäten und anderen Institutionen für spezialisierte Ausbildungsgänge. Die erste allgemein zugängliche Universität Thailands, die Ramkamhaeng-Universität, wurde 1971 eröffnet und dient speziell den sozialen Voraussetzungen von Absolventen der Sekundarschulen und bereits Berufstätigen.
Der private Sektor im Bildungswesen ist zur Unterstützung des öffentlichen Sektors gedacht und realisiert Bildung auf allen Ebenen. Ende der achtziger Jahre hatte der private Sektor einen Anteil von 22%. Dieser Anteil ist im Wachsen begriffen. Die privaten Schulen und Lehreinrichtungen werden zum Teil mit staatlichen Mitteln (von 40% bis zu 100%) unterstützt.
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3Besonderheiten des Systems und Innovationstransfer
Die berufliche Bildung in Thailand beginnt auf dem Niveau der sekundären Bildung und setzt sich bis zur postsekundären Stufe des allgemeinen Systems fort. Die berufliche Bildung erfolgt getrennt von der allgemeinen Bildung der Sekundarschulen und wird sowohl von privaten als auch von öffentlich-staatlichen Schulen angeboten.
Grundsätzlich wird in der beruflichen Bildung von ihrem Management her in zwei Kategorien unterschieden: die formale und die nichtformale berufliche Bildung. Die formale Variante besteht aus einem Curriculum von vier Programmtypen:
–Das Berufsausbildungszertifikat eines Dreijahreskurses nach der Stufe 9 (entsprechend dem Niveau des oberen Sekundarbereichs);
–Das höhere Berufsbildungszertifikat – ein Zweijahreskurs postsekundärer Bildung, äquivalent einem Diplom-Niveau;
–Das Technikerzertifikat – ein Zweijahresprogramm nach der Stufe 12 der allgemeinen Sekundarschule;
– Der Bachelor-Abschluß, ein Programm von vier Jahren Dauer.
Die beruflichen Ausbildungsprogramme aller Niveaus werden in fünf Hauptbereichen durchgeführt: Industrie, Landwirtschaft, kaufmännischer Bereich, Handwerk, Kunstgewerbe. Diese fünf Gebiete werden in Spezialisierungsgebiete aufgeteilt. Beispielsweise wird das Programm Industrie aufgefächert in solche Gebiete wie Elektrik, Elektronik, Blechverarbeitung und Schweißen, Kfz.-Mechanik u.a. Die Aufgliederung wird in noch weiter spezialisierte Ausbildungsprogramme fortgeführt. Die Ausbildungsprogramme werden ständig aktualisiert, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten und um neue Beschäftigungsprofile zu erstellen.
Die nichtformale berufliche Bildung wird vom Bildungsministerium an polytechnischen Colleges, an Industriecolleges und an kommunalen Colleges angeboten. Weitere Möglichkeiten werden von den Verwaltungen für Berufsbildung, der Verwaltung für nichtformale Bildung und den verschiedenen Ministerien (Industrie, Landwirtschaft, Arbeit, Soziales) durch regionale Institute und Ausbildungszentren bereitgestellt. Die Verwaltung für nichtformale Bildung besteht seit 1979 und beschäftigt sich mit Bildungsfragen und entsprechenden konkreten Programmen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen, um deren Bildungschancen zu verbessern.
Eine Übersicht zu den Typen und zur Anzahl von Einrichtungen, die berufliche Bildung auf dem postsekundären Niveau anbieten, ergibt in den neunziger Jahren folgendes Bild:
1.Zwei-Jahres-Programme , die zu einem Diplom in beruflich/technischer Bildung und zu einem Diplom in Technischer Bildung führen. Das sind Einrichtungen, die ein dem Berufsabschluß äquivalentes Programm bis zum Diplom in beruflicher Bildung durchführen. Unter diesen Einrichtungen sind 204 Colleges, die der Verwaltung Berufsbildung (DOVE) des Bildungsministeriums (MOE) unterstehen. Dazu gehört auch das Rajamangala Institute of Technology (RIT) sowie postsekundäre Zwei-Jahres-Programme an 29 Einrichtungen im Lande. Ähnliche Programme werden auch vom King Mongkut Institute of Technology angeboten. Darüber hinaus gibt es noch 341 private berufliche Schulen und Colleges, die postsekundäre Ausbildung durchführen.
2.Studienprogramme, die zum Bachelor-Abschluß führen, werden von verschiedenen Bildungseinrichtungen angeboten. Die acht Fakultäten des Rajamangala Institute of Technology (RIT) bieten Ausbildungsrichtungen an wie Ingenieurtechnologie, Betriebswirtschaft, Kunst und Landwirtschaft. Das King Mongkut Institute of Technology (KMIT) bietet sowohl Studienprogramme als auch Graduiertenprogramme an allen Fakultäten und Fachrichtungen an. Die Studienprogramme stehen allen Schülern offen, die bereits ein Diplom der beruflichen Ausbildung besitzen und ihre Ausbildung mit dem Ziel des Bachelor-Abschlusses fortsetzen wollen.
Die Studiendauer in einem Diplom-Programm beträgt zwei Jahre. Der Absolvent kann sich als Techniker auf dem Arbeitsmarkt bewerben oder auch die Ausbildung mit einem Zweijahreskurs fortsetzen.
Die Lehrkräfte für die berufliche Ausbildung werden in vier größeren Instituten herangebildet: Im Rajamangala Institute of Technology (RIT) und an den drei selbständigen Fakultäten des King Mongkut Institute of Technology (KMIT). Lehrkräfte für die allgemeinbildenden Fächer werden in Lehrer-Colleges und an öffentlichen und privaten Universitäten ausgebildet.
Die berufliche Ausbildung wird in hohem Maße vom Staat unterstützt. Die Regierung übernimmt etwa 80% der Kosten der öffentlichen Schulen und Colleges. Die privaten Colleges finanzieren sich vor allem über die Studiengebühren.
Für die weitere Entwicklung des Berufsbildungssystems sind u.a. vorgesehen: Eine mehr dezentralisierte Verwaltung mit einem leistungsbezogenen Monitoring-System; die Verbesserung des Managements über bessere Ausrüstung, Personal- und Finanzausstattung; die privaten Bildungseinrichtungen sollen die Qualität der Ausbildung den Marktbedürfnissen anpassen; Einführung der Qualitätssicherung und -kontrolle; regelmäßige Weiterbildung der Ausbilder (neue Technologien); Zunahme der internationalen Verbindungen.
Das Berufsbildungssystem in Thailand gibt die Möglichkeit, vertiefende Einblicke in den raschen Wandel eines Bildungssystems zu gewinnen, das durch vielfältige Krisenerscheinungen und durch die feste Absicht gekennzeichnet ist, sich den technologischen Erfordernissen der Gegenwart zu stellen. Als Schwellenland gewinnt für Thailand die Ausbildung von Fachkräften an zusätzlicher Bedeutung, da viele Projekte der Entwicklungshilfe entfallen sind. Besonders interessant ist die Flexibilität, mit der man über verschiedene Teilabschlüsse in der Ausbildung ein bestimmtes Berufsziel erreichen kann. Eine direkte Übertragbarkeit des dualen Systems ist genauso wenig möglich, wie eine direkte Übernahme von Modellen Thailands. Dennoch sind Anregungen und Erfahrungen aus diesem sich dynamisch entwickelndem Land für deutsche Berufsbildner auf alle Fälle von großem Nutzen für die Gestaltung der eigenen Arbeit.
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4Ergänzende Literatur und Internet-links
Buchert, Lene u. a. (Hrsg.) (1996) Consultancy and research in international education. The new dynamics. Bonn: DSE 1996. 235 S.
National Office of Overseas Skills Rekognition. Department of Employment, Education and Training. (Hrsg.) (1996) Country Education Profiles: Thailand. A Comparativ Study. Sec. ed. 1996. Canberra: Australian Goverment Publishing Service 1996. 38 S.
Shoolap, Charoon; Choomnoom, Siripan (1996) Case studies on technical and vocational education in Asia and the Pacifik:Thailand. UNESCO Principal Regional Office for Asia and the Pacific (Thailand); Asia-Pacific Centre of Educational Innovation for Development (Thailand). Bangkok: PROAP 1996. 22 S.
UNESCO: International Bureau of Education (1999) World Data on Education, III Ed., 1999: Thailand. Genf 1999. (CD-Rom)
http://www.moe.go.th/moe.html (Bildungsministerium)
http://www.isep.org/nus/thailand/index.html (Länderprofil in ISEP-Datenbank)
http://www.inter.mua.go.th/program/index1.html (Hochschul-Bildungsprogramme in Thailand)
http://www.dvt.moe.go.th/main.htm (DVT-Online, GTZ-Projekt Berufsbildung)
http://www.nso.go.th/eng/ (Nationales Statistik-Amt)
http://www.seameo.org/members/thailand.htm (Darstellung Bildungssystem im SEAMEO-Netz)
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