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| BERUFSBILDUNGSSYSTEM : Irland |
| Berufsbildungssystem |
"Innovationen nationaler Berufsbildungssysteme von Argentinen bis Zypern"
Berufsbildungsprofile im Blick des Internationalen Fachkräfteaustausches (IFKA) |
CDG-Schriftenreihe Band 11
11 Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden (2001)
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| IRLAND von Norbert Burggraf/Wolfgang Hellwig |
1Einführung
2Überblick zur Berufsbildung im Rahmen des Bildungssystems
3 Besonderheiten des Systems und Innovationstransfer
4Ergänzende Literatur und Internet-links
1Einführung
Irland ist ein kleines, noch durch den Agrarsektor geprägtes Land. Es verfügt über keine Bodenschätze, Weiden und Felder bestimmen überwiegend das Landschaftsbild. In den letzten Jahren vollzog sich jedoch im Wirtschaftsbereich ein Wandel weg von einem Agrarstaat zu einer Dienstleistungsgesellschaft und einem Land in dem auch die industrielle Produktion für den Export eine Rolle spielt. Im Jahr 1999 arbeiteten nur noch 8,5% der Beschäftigten in der Landwirtschaft während im Dienstleistungssektor 63,1% beschäftigt waren. Trotz der im Jahre 1923 erreichten Unabhängigkeit besteht immer noch eine relativ starke Abhängigkeit von Großbritannien. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit, die lange Zeit durch Landwirtschaft geprägte Grundstruktur der Wirtschaft, aber auch britisch geprägte ‘Tradition haben zu einer bisher weniger strukturierten Berufsbildung geführt. Seit ca. 20 Jahren wird das Bildungs- und Berufsbildungswesen verstärkt ausgebaut, nicht zuletzt bedingt durch den Beitritt Irlands in die Europäische Gemeinschaft im Jahre 1973. Die Kooperation von Gewerkschaft, Regierung und Arbeitgeberverband wird durch den Sozialpakt dokumentiert, der seit 1987 existiert und im März 2000 die Eckwerte der Beschäftigungspolitik langfristig festgelegt hat.
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2Überblick zur Berufsbildung im Rahmen des Bildungssystems
Berufliche Grund- oder Erstausbildung findet in Irland nur in sehr geringem Umfang statt. Ein sehr großer Anteil der Jugendlichen strebt das Leaving Certificate, das Abschlußzertifikat des Sekundarbereichs II, und dann ein Studium an.
Ausbildung kann grundsätzlich erfolgen als Lehrlingsausbildung, Ausbildung in der Schule, Vollzeitausbildung nach der Schule, technische Qualifikation auf der Hochschule und Teilzeitausbildung während der Arbeit. Man muß jedoch beachten, dass viele der Pflichtschulabsolventen keinen dieser Wege einschlagen und keine formale Ausbildungsqualifikation erwerben. Bedingt durch die hohe Jugendarbeitslosigkeit wird versucht, durch staatliche Rahmenprogramme im Sinne von schulischen Berufsvorbereitungsmaßnahmen die beruflichen Chancen der Absolventen der Pflichtschule zu erhöhen. Im Sekundarbereich II werden inzwischen Ausbildungsgänge angeboten, die sowohl der beruflichen Vorqualifizierung dienen als auch Abschlüsse ermöglichen, die für bestimmte Bildungsangebote im tertiären Sektor qualifizieren. Vollständige, technische Bildungsgänge werden in der Regel im tertiären Bildungsbereich an den Regional Technical Colleges angeboten.
Im Gegensatz zum Dualen System in Deutschland ist die Struktur des irischen Berufsbildungssystems weniger streng geordnet, sondern eher bedarfsorientiert gestaltet mit flexiblen, meist aus Einzelmodulen aufgebauten Qualifizierungsmöglichkeiten. Es existiert kein einheitliches System für die Ausbildung.
Ein Großteil der mit der deutschen Facharbeiterausbildung vergleichbaren Bildungswege im handwerklich-technischen Bereich wird von der halbstaatlichen Organisation FAS [Foras Aiseanna Saothair] koordiniert, konzipiert und durchgeführt. FAS unterhält landesweit insgesamt 17 Trainingszentren in 10 Regionen, jede Region agiert im Hinblick auf ihr Bildungsangebot autonom. Neben FAS gibt es verschiedene schulische Bildungsinstitutionen, die als berufliche Vollzeitschulen fachspezifische Lehrgänge anbieten. Als zusätzliche Dienstleistung bieten FAS auch die Vermittlung von Absolventen über eine Stellenbörse an.
Bei den Ausbildungsgängen, die FAS anbietet, kommen drei unterschiedliche Systeme zum Tragen:
–Modular aufgebaute Vollzeitschulung bei FAS. Die Ausbildung wird über Staatszuschüsse und Arbeitgeber gefördert, die Finanzierung erfolgt u.a. über eine Abgabe verschiedener Industriezweige (z.B. Bau, Energieversorgung, Kleidung, Chemie) anteilig der jeweiligen Beschäftigtenzahl. Die Auszubildenden erhalten ein entsprechendes Entgelt. Unternehmen, die keine Beiträge an den Staat abführen, zahlen direkt an FAS für die Bildungsleistung. Die einzelnen Bildungsgänge umfassen einen Zeitrahmen von vier bis neun Monaten.
– Trainingsprogramme für Langzeitarbeitslose (mit oder ohne berufliche Vorbildung), insbesondere Jugendliche. Zur Zeit existieren verschiedene fachliche Programme zur Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen mit dem Ziel der Reintegration in das Berufsleben. Diese Qualifizierungsmaßnahmen stellen bisher das primäre Arbeitsgebiet von FAS dar, obwohl sich anhand sinkender Arbeitslosenzahlen (von ca. 16% in 1993 auf ca. 6,5% in 1999) der Schwerpunkt zunehmend in Richtung klassischer Lehrlingsausbildung unter Einbeziehung verschiedener Unternehmen verlagert. Die Dauer der Ausbildung von Langzeitarbeitslosen nach diesem Modell beträgt 1 bis 1,5 Jahre. Anschließend erfolgt im Regelfall ein Arbeitsplatzangebot durch die freie Wirtschaft. Diese Programme werden nach Aussage der FAS in enger Zusammenarbeit mit den gewerblichen Unternehmungen durchgeführt und an deren Bedürfnisse angepaßt. Die Maßnahmen werden zu 40% aus EU-Mitteln finanziert, die Restfinanzierung erfolgt ähnlich dem zuerst angesprochenen System.
–Lehrlingsausbildung im eigentlichen Sinn erfolgt bei FAS in Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben und Unternehmen der freien Wirtschaft, die als zusätzliche, betriebliche Ausbildungsstätte in die Ausbildung integriert sind. Die Auszubildenden haben zu Beginn der Maßnahme bereits einen Arbeitsvertrag mit den entsprechenden Unternehmen. Der Bildungsgang gliedert sich in verschiedene Phasen, hierbei erfolgen drei Phasen der Ausbildung bei FAS, drei Phasen der Ausbildung im Betrieb. Zwischen den einzelnen Phasen müssen bestimmte Leistungsnachweise mit praktischen und theoretischen Inhalten erbracht werden (erstmals nach acht Monaten), die Zeitdauer der betrieblichen Abschnitte ist variabel und richtet sich nach den Bedürfnissen der Unternehmen. Am Ende der Ausbildung (in der Regel nach drei Jahren) erfolgt eine Prüfung in Theorie und Praxis und es wird bei erfolgreichem Abschluß ein Zertifikat (National Craft Certificate) erteilt.
_In den Trainingszentren der CERT wird analog der Bildungsmöglichkeiten bei FAS ein modulares Ausbildungskonzept für die Ausbildung von Küchenhilfen, Köchen, Kellnern, etc. angeboten. Die einzelnen Module umfassen Zeitspannen von wenigen Wochen bis zu neun Monaten, je nach anschließender Abschlußqualifikation, die mit einem anerkannten Zertifikat bestätigt wird. Im Vergleich zu den deutschen Ausbildungsberufen des Hotel- und Gaststättengewerbes ist hier das Niveau deutlich niedriger einzustufen, richtet sich aber offenbar nach den Anforderungen der Touristikbranche.
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3Besonderheiten des Systems und Innovationstransfer
In den letzten Jahren hat sich die Bildungslandschaft in Irland verändert und befindet sich immer noch in einem Umstrukturierungsprozeß. Steigende Zahlen von Jugendlichen erkennen die Wichtigkeit einer guten Ausbildung an und der Druck in der Bevölkerung, das Bildungs- und Berufsbildungssystem zu verbessern, steigt. Das Bildungsministerium versucht mit einer qualitativen und quantitativen Ausweitung der Bildungsangebote insbesondere auf diese Bedürfnisse, aber auch auf wirtschaftliche und technische Veränderungen zu antworten. Als eine Maßnahme wurde 1994 das Abschlußzertifikat des Sekundarbereichs II, das Leaving Certificate, ausgeweitet und hat jetzt neben der Hochschulzugangsberechtigung die Option einer beruflichen Orientierung (Leaving Certificate Vocational Programm). Die Schüler können sich für mindestens fünf Fächer entscheiden, von denen zwei aus dem berufsbildenden Bereich stammen müssen. Inhaltlich werden die Schwerpunkte auf Sprachkompetenz, Informationstechnologie und betriebswirtschaftliche Aspekte gelegt. Andere neu aufgelegte Maßnahmen und Programme sind insbesondere auf die Integration von Langzeitarbeitslosen und arbeitslosen Jugendlichen in Ausbildungsmaßnahmen ausgerichtet.
Bei der Bewältigung der Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit ist es insbesondere im Bereich der handwerklichen Ausbildung gelungen, im Rahmen einer kürzeren, relativ wenig spezialisierten Ausbildung, Arbeitskräfte gezielt auf Tätigkeiten vorzubereiten und ihnen so eine Beschäftigungsmöglichkeit zu eröffnen. Vor dem Hintergrund der Diskussion über das Duale System in Deutschland, in der der Aspekt der verhältnismäßig langen, dreijährigen Ausbildung einen Kritikpunkt bildet, können diese Maßnahmen Anregungen geben, wie eine an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes angepaßte Ausbildung aussehen kann, und ob auch im Rahmen einer kürzeren Ausbildungsdauer die entsprechenden, nicht nur fachlichen, sondern auch methodisch-sozialen Kompetenzen vermittelt werden können.
Es herrscht keine klare Trennung von Erstausbildung und Erwachsenenbildung vor. Ein großer Anteil an beruflicher Fortbildung und damit verbundener sozialer Verantwortung obliegt einzelnen Firmen im Rahmen von eigenen, auf das Unternehmen und die arbeitsplatzspezifische Situation angepaßten Personalentwicklungsplänen. Hierbei erfolgt die Qualifizierung zum einen als fachliche Weiterbildung, zum anderen als Weiterbildung im sozialen und kommunikativen Bereich.
Angeboten und von den Unternehmen genutzt werden diese Qualifizierungsprogramme von Schulen des Sekundarbereichs, Hochschulen und privaten Trainingsinstitutionen. Interessant erscheint hierbei vor allem die Möglichkeit, an Hochschulen in relativ kurzer Zeit anerkannte Hochschulzertifikate zu erlangen. Die fachliche und kommunikativsoziale Entwicklung der Fach- und Führungskräfte erfolgt, wie in anderen international ausgerichteten Unternehmen auch, über bestimmte Managementprogramme.
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4Ergänzende Literatur und Internet-links
Heidemann, Winfried / Murray, Freida (1996) Das Equal opportunities Programmeder irischen Elektrizitätsgesellschaft (Electricity Supply Board, ESB). In: Europäische Zeitschrift Berufsbildung, (1996) 8/9, S. 110-116.
Hopes, Clive / Huck, Wolfgang (1995) Länderstudie Irland. In: Lauterbach, Uwe (2001a) (Hrsg.) u.a. Internationales Handbuch der Berufsbildung (IHBB). S. IRL–1-65.
Neues im Bereich der Berufsausbildung: Irland. In: Le magazine, (1999) 12, S. 22-23.
Seyfried, Erwin / Kohlmeyer, Klaus / Furth-Riedesser, Rafael (1999) Qualitätsentwicklung in der beruflichen Bildung durch lokale Netzwerke. Thessaloniki: CEDEFOP 1999. 75 S.
http://www.cso.ie (Zentrales Statistikamt)
http://www.irlgov.ie (Informationen über Irland)
http://www.gov.ie/educ/ (Bildungsministerium)
http://www.fas.ie (Arbeits- und Berufsbildungsverwaltung, Stellenvermittlung)
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